Donnerstag, 2. Juli 2009

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Sonntag, 10. Mai 2009

Ohne Überschrift



Manchmal gerät der Einklang von Leib und Seele durcheinander, zum Beispiel durch Alkohol. Langsam, kaum merklich verschwindet die mahnende Stimme der Vernunft unter den Tresen, während das Herz seinen Weg sucht und unerbittlich Gefühle aufkeimen lässt, fernab von komplizierten Fragestellungen und Gedanken, die Zukunft und Vergangenheit betreffen, denn schließlich zählt dann nur der Augenblick, das gute Gefühl, die reine Entscheidung.
Klingt fabulös... und im Nachhinein ist es auch noch mehr; berauschend. Geschieht jedem einmal... Dies ist aber nicht das Entscheidene, sondern die Nachwirkung. So fühle ich mich nun zum ersten Mal seit Jahren wirklich annähernd glücklich und noch mehr. Mein Herz hat die einzig richtige Entscheidung getroffen und die Früchte trägt jetzt mein Gefühl, das warme Kribbeln. Vollkommen bekloppt und sinnlos, doch wirklich und wahr. Was lässt diese Dialektik entstehen? Ratio und Körper passen sich schließlich ausgezeichnet aneinander an...

Das Funkeln in den Augen ist es.

Sonntag, 12. April 2009

This is the time of our lives


"Lernphase". Allgemeine Meinung: too much too much too much too much too much...
Unfassbar, was Prüfungen und Ferien für einen intensiven Cocktail ergeben. Es sind bereits zwei Wochen vergangen, seitdem sich einhundert motivierte Vorabiturienten mit Adiletten, Jogginghose und so manchem Bier zum fünftägigen Feiermarathon auf der Tartarnbahn zu Steinbart trafen. Es wurde gegrillt, getrunken, getanzt und gegrölt - egal ob als Nutte, Cowboy oder Biene Maja - und alles darauf bedacht, dass unsere letzte Schulwoche, als die denkwürdigste in die Geschichte eingeht. Das Hildegardis wird sie jedenfalls nicht so schnell vergessen. Herr Minnema auch nicht, nachdem er die Gummipuppe vom Fahnenmast entfernte, ein paar angenervte "Mmhjaas" verlauten ließ und gen Lehrerzimmer veschwand (die Puppe ist übrigens seitdem nicht mehr aufgetaucht). Der Donnerstag und der Freitag standen ganz im Zeichen des Daddys. Während am Donnerstag alle Abschlussstufen zusammen ein Humba auf das Abitur tanzten und die Schädel auf den nächsten Morgen vorbereitet wurden, klingelte freitags lediglich die Kasse und alle Steinbarter hatten Grund zur Freude!

Einige Wochen und zwei Klausuren später darf der nächste Absatz beginnen. Deutsch und Geschichte sind durch, zwei Prüfungen ohne besondere Kennzeichen, denn alles lief nach Plan und mein Bauchgefühl mag sich noch nicht entscheiden. Sicher ist nur, dass ich momentan die größtmögliche Freiheit genieße: Eltern zwei Wochen im Urlaub, beide Lk-Klausuren bereits hinter mir und zwei Wochen Platz bis Bio nach mir schreit. Müßiggang ist Tagesgeschäft und das beste daran: das Wetter spielt mit! Eigentlich möchte man diese Tage in ein Marmeladenglas einfangen - für schlechte Zeiten versteht sich. The Rifles am Samstag und Those Dancing Days am Dienstag hielten die Motivation auf hohem Niveau, schließlich durfte ich beide Male in der ersten Reihe des Luxors stehen und die fabelhafteste Stimme und die abgefahrenste Show miterleben. Kurzes Schwätzchen mit dem Bassisten und ab dafür. Nun ist erstmal Status Quo und die Pläne noch nicht geschmiedet und die Geschichten noch nicht geschrieben. Morgen erstmal an den See und Samstag zu Mel den gepflegten Spieleabend im Suff genießen. So darf es weitergehen! This is the time of our lives!

Donnerstag, 19. März 2009

Bionade-Quitte kommt nun. Anscheinend ist es Frühling, diese Kernfrucht blüht ausschließlich im Mai und Juni; ein deutliches Signal der Industrie: Jetzt etwas neues wagen! Ob sich die Quitte dabei etablieren wird ist fraglich, sie bleibt eher gelb vor Neid, denn roh kann sie den deutschen Apfel nicht das Fruchtwasser reichen. Quitten sind übrigens Rosenfrüchte, vielleicht lässt dies ja ihren Ruf verbessern - während der kramphaften Partnersuche im Frühjahr, hilft eine leckere Frucht mit passendem Kochrezept vielleicht eher, als der übliche Strauß Rosen für die Traumfrau.
Inzwischen versuchen 102 Schüler des Steinbart-Gymnasiums ihr Abitur zu bestehen, aber noch ist genügend Zeit bis dahin. Sonnenbaden auf dem Schulhof und neuartige Motivationen im Zusammenklöppeln eines Masterplans bezüglich des Abigags signalisieren auch bei uns den Frühlingsaufschwung. Noch sechs Tage normal Schule! Pläne sind geschmiedet und wir werden größer sein als alle zuvor! Auch wenn Dänemark Elsass-Lothringen besitzt, wir werden unsterblich sein - für eine Woche...

Post scriptum: Der Frühling treibt mir Tränen in die Augen... Heuschnupfen jucheh!

Dienstag, 3. Februar 2009

Sprachkrise

Lord Chandos schrieb 1603 an Francis Bacon einen Brief, in dem er seine Sprachkrise auszudrücken versucht. Da greift der Ansatz für das Vestehen Törleß' zum zweiten Mal in unserem Deutsch-Lk und die Fragezeichen blinken über den Köpfen meines Kurses. Abstraktes auf die Wirklichkeit übertragen, eine universelle Expression für den Sachverhalt in unserem Gedanken oder der Wahrnehmung zeigen uns die Grenzen des Möglichen, die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahrheit. Chandos und Törleß könnten sich gegenseitig gut verstehen, aber nicht die Worte dafür finden, dies wird einem nach dem Lesen bewusst. Für mich hat dieser Text aber nicht nur eine bestätigende Wirkung. Er stachelt die Hoffnungslosigkeit an.
Das Leben spielt bekanntlich sein eigenes Chaosspiel und der Mensch schaut am besten zu, wie er am stabilsten stehen bleibt. Selbst erst durch die Sprache zum Denken verdammt, sucht er nach Erklärung und Verstehen, natürlich für alles. Eine Parallelwelt, eine Illusion der Natur wird geschaffen, Kultur bestimmt den Weg nun mehr und genau hier befindet sich der tote Punkt, der bereits Chandos verzweifeln ließ. Die Suche scheint unendlich, aber dennoch müssen wir fortfahren und aufgrund unserer Hoffnungslosigkeit brechen und scheitern.
Eine Frage ist demnach ebenso unverständlich wie die Antwort darauf und aufeinander passen können beide sowieso nicht: ein Dilemma. Die daraus resultierende Wertung scheint nur noch eine lächerliche Überspielung der eigenen Sprachkrise, das Unverständis für sein Gegenüber, aber kaum einer bemerkt dies. Sollen wir demnach Schopenhauer folgen und uns aus der Gesellschaft heraushalten, der ständigen Katastrophe entziehen? Klingt erst einmal plausibel, aber nicht umsetzbar. Der Empfindsame muss im Pessimismus weiterleben.
Da erscheinen mir Worte als falsch und als Lüge, denn sie bedeuten nichts, nichts anderes als hohle Demonstration der Sprache und der Gedanken als unseren Schatz. Die Gefühle? Nein, sie sind nun sekundär, schließlich können sie nicht versprachlicht werden, ohne das der Inhalt dabei verloren geht. Die Körperlichkeit fehlt dem Menschen. Gefühle sind Produkte unseres Körpers, nicht der Gedanken und können auch nur so vermittelt werden, da hilft keine Sprache - sie erzeugt in uns höchstens ein Abbild davon - denn unsere Zuneigung überträgt sich nur von Haut zu Haut und nicht anders.
Sprache ist gefährlich und unzuverlässig. Ein schreckliches Werkzeug - es gleicht dem Henkersstrick.
Törleß verließ seine Schule, seine Gefangenschaft und gab sich der Natur hin. Man könnte sich ein Beispiel daran nehmen...

Samstag, 31. Januar 2009

Berlin-Hamburg

Berlin Berlin, Hauptstadtbummel, in voller Dekadenz das Leben genießen und der Schule trotzen, denn wer braucht denn jetzt schon lernen, wenn morgen auch noch ein Tag ist? Alles in mir blickt nun auf Sport, Mottowoche und Richtung nächstbestes Wochenende. Hamburg ist nun unter Dach und Fach, die Sorgen ein wenig erträglicher und der Drang nach dem baldigen Umzug sehr stark, schließlich geht es an die Alster! Eine neue Welt voller Wasser, Fisch, Duckstein, englischen Kindern, HVV-Wasserstoffbusse, St. Pauli, HSV-Handball, Uhlenhorst-Hockey und Reeperbahnfestival - selbst ein Pessimist findet dort den guten Geschmack und die nordisch-fröhlichen Ruhe.
Morgen heißt es shoppen und die Nacht der Museen nutzen, ein letztes Mal in der Hauptstadt bonzig aufführen, bevor es in die trostlose Armut der Soldabhängigkeit geht. Minimalismus ist dann gefragt, eine prima Gelegenheit für den Lebenskünstler. Zuletzt war ich während der WM 2006 hier, zusammen mit ehemaliger Klasse und einem Haufen Erwartungen. Wir haben die Stadt erkundet, in Bahnen gepennt, Currywurst gegessen, sind bei den Beatsteaks vorbei und sind im Wannsee geschwommen - Summer eben. Eine großartige Zeit, nur dann eben abrupt beendet... Diesen Sommer beginnt etwas Neues. Die Erwartungen sind hierbei nicht geringer als damals und so hofft man doch auf eine aufregende Zeit voller Untugenden und Sünden, einen optimalen Neustart. Yannicks Norden wird dann dies und der Startschuss für das Leben nach dem Schultod.

Dienstag, 20. Januar 2009

Bassem Ihab

Ein Ägypter schrieb mir eine nette Nachricht in gebrochenem Englisch bei Myspace, bittend, dass ich mir doch sein Profil anschauen und die Musik bewerten soll. Im Normalfall bin ich ein erbarmungsloser Ablehner von nervigen Musikern, die alle meine Freunde sein wollen und bulletinweise meine Box vollstopfen, doch dieser sympathisch wirkende Mensch verdiente meinen Respekt und so gelang ich auf eine dunkel und minimalistisch gehaltene Seite, mit sehr wenigen Besuchern und zwei kurzen Liedern.
Ich weiß nicht, was dann geschah, aber ich drückte wieder und wieder auf play, bis mir auf einmal bewusst wurde, dass dieser unbekannte Mensch aus Kairo ein Stück Schönheit geschaffen hatte, etwas, das an Yann Tiersen oder Olafur Arnalds erinnerte - Melancholie in einfacher, aber wundervollen Musik verpackt, gestaltet durch Klavier, Streichern und Guitarre.
Überrascht hat mich aber zudem die Einstellung dieses Menschen. Bassem Ihab ist ständig auf der Suche nach der Bestätigung seines Werks und ist nicht scheu direkt zu antworten, wenn du ihn lobst oder nur eine Frage stellst. Handwerk, das kann er.
Ein Empfehlung meinerseits: www.myspace.com/bassemihab

Montag, 19. Januar 2009

im winter ein jahr

oasis wurde verlegt. damit war der abend frei, um mit philosophie vom schulmeister ins kino zu gehen. besser so, dachte ich mir, die letzten tage wirbeln immer noch in meinem kopf umher und die gallaghers hätten doch nur genervt. lieber ins filmforum und... ja was denn eigentlich? der film war mir bisher einmal in einer vorschau aufgefallen, aber mehr schlecht als recht. zum trotz des ersten eindrucks, fühlte ich mich dennoch verpflichtet, die schauspieler und herr kunze versprachen dafür zu viel. also setzte ich mich neben meine freunde und verjagte die ideen aus meinem kopf.
Karoline Herfurth glich einem engel. sofort bezauberte mich dieses bild der jungen schönheit, die ihre vergangenheit und ihre liebe nicht einfach vergraben kann. corinna harfouch und josef bierbichler unterstützen mit ihren schauspielerischen leistungen - natürlich. das gefühl mitten im film zu stecken, den schnee selbst spüren zu können, ja all dies überwältigte mich unvorbereitet. da übertraf sich die Hauptrolle selbst und verwandelte ein wenig zelluloid in ein fabelhaftes stück film. die wirkung hält noch an, hoffentlich sehr lang.
nun mag ein gewisser teil verinnerlicht bleiben, doch wie werde ich mit mir verbleiben... sonderbarer fühlte sich bisher nur selten ein film an, mal sehen, ob morgen ein fremder mensch in mir lebt, einer, der nicht den ersten schnee, aber den sommer sucht.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Lebenszyklus

Sind euch diese Spendenbecken bekannt? Jene Trichtergebilde, an deren Rand sich Kinder spiellustige Erwachsene drängeln, eine Münze über eine Rampe auf die Reise schicken und fasziniert zuschauen, wie sie ihre ewigen Kreise ziehen, bis auf einmal das Metall ins Schwarze plumpst? Eigentlich eine raffinierte Idee, denn wer gibt schon sein wertvolles Geld umsonst aus, wenn man doch ein wenig Unterhaltung dafür verlangen könnte. Für Eltern oftmals die einzige Pause beim sonntaglichen Zoobesuch und für die verspielten Erwachsenen wahrscheinlich das spannendste Erlebnis des Tages. Doch in Wahrheit beobachten die Schaulustigen nicht die Münze, wie sie in den Trichter rollt, sondern interessieren sich für das determinierte Schicksal des Objekts. Weder das Bild ist so ansprechend, noch das Bewusstsein, dass dort eine Münze verschwindet. Nein, sie beobachten den Niedergang in sich selbst. Der Groschen als Symbol von Masse, Wert, Wichtigkeit, als Bindung an Welt, Norm und Streben nach Sicherheit. Sein Ziel ist bestimmt und der Fall abzusehen, ein abstraktes, klassisches Drama.
Nun bewegt sich die Münze auf seiner Umlaufbahn gen schwarzes Loch. Zuerst bewegt es sich in einem großen Kreis, sieht vieles, ist langsam und ruhig, doch je mehr es Richtung Mitte zirkelt, desto schneller wird es, die Umgebung wird dafür kleiner, der Weg steiler und die Aussicht auf Freiheit verpufft nahezu. Es ist eben das fatale am Erwachsenwerden. Schlussendlich kreist man doch nur immer umher, auch wenn das Ziel in Sicht ist. Wenn dann genügend Runden gedreht sind, plumpst man glücklich hinein und... das war's. Die Voyeure um dich herum feuern an und kaufen deine Biographie doch du schaust auf dem Rücken liegend nach oben ins Licht und erinnerst dich an die große Reise. Dem Leben.
Bei dem Gedanken entweicht mir nur ein Lächeln und ich nehme das Geldstück von seiner Bahn, stecke es in meine Tasche und fühle mich besser.

Montag, 5. Januar 2009

Schnee

Schnee. Wie geht man am besten damit um? Glatte Straßen, Schlitten, Schneeballschlacht. Vor allem endlich Ruhe. Der Nachhauseweg ist plötzlich andächtig und nicht mehr verbittert, die kalte Luft bringt Nüchternheit zurück und vor allem Gewissheit: Es geht nichts mehr! Eingefroren. Aus Geschehenem wird Souvenir und aus Vorhaben Träume. Schon merkwürdig dieser Schnee. Gestern war noch alles unbeständig und heute starr wie... Eis.
Aber wieso Trübsal blasen, denn schließlich bleibt es einem nicht erspart, da heißt es nur noch: Schlitten raus und rodeln, wozu ist der weiße Segen denn ansonsten auf uns gefallen? Vergessen und erfreuen ist das beste, was man daraus schöpfen kann, natürlich verschwindet nichts, es ist nur bedeckt, Mensch muss nur die Zeit nutzen, Winterschlaf bleibt uns ja leider verwehrt...

Freitag, 2. Januar 2009

Der erste Streich

Da versammelt sich Silvester das gemeine Volk zur wichtigsten Tradition und begeht den Abend mit Prozenten, Promillen, Pyrotechnik und feiert die legitime Anarchie der Kultur, ein Feuerwerk für die ganze Familie.
Ein grünes Haus in Duissern leistete aber eine besondere Arbeit zum Thema alternativer Abendgestaltung. Hartwig Wollert, Lehrer für Bio und Sport auf meinem Steinbart, lud zur Feierlichkeit. Wildschweinragout, Rotkohl und Semmelklöße lockten wie Faßbier und ein kleiner Auftritt der Chimprellas. Lagerfeuer, Weltmusik, Menschen von jung bis alt - ein Gefühl von Freiheit ging durch die Reihen oder besser durch den Haufen - das duisburger Bildungsbürgertum schaltete den Blackberry aus und erfreute sich an der Melodie alter Zeiten. Ein Bild für die Götter. Mein persönlicher Höhepunkt war die Vorlesung meines Philolehrers Kunze in der Bibliothek, so lauschten alle andächtig, auf dem Boden sitzend den Gedichten Schillers bis Ringelnatz, starkdeutsch wie hochdeutsch. Eine sonderbare Gesellschaft, aber garantiert die amüsanteste.
Frohes Neues