Donnerstag, 15. Januar 2009

Lebenszyklus

Sind euch diese Spendenbecken bekannt? Jene Trichtergebilde, an deren Rand sich Kinder spiellustige Erwachsene drängeln, eine Münze über eine Rampe auf die Reise schicken und fasziniert zuschauen, wie sie ihre ewigen Kreise ziehen, bis auf einmal das Metall ins Schwarze plumpst? Eigentlich eine raffinierte Idee, denn wer gibt schon sein wertvolles Geld umsonst aus, wenn man doch ein wenig Unterhaltung dafür verlangen könnte. Für Eltern oftmals die einzige Pause beim sonntaglichen Zoobesuch und für die verspielten Erwachsenen wahrscheinlich das spannendste Erlebnis des Tages. Doch in Wahrheit beobachten die Schaulustigen nicht die Münze, wie sie in den Trichter rollt, sondern interessieren sich für das determinierte Schicksal des Objekts. Weder das Bild ist so ansprechend, noch das Bewusstsein, dass dort eine Münze verschwindet. Nein, sie beobachten den Niedergang in sich selbst. Der Groschen als Symbol von Masse, Wert, Wichtigkeit, als Bindung an Welt, Norm und Streben nach Sicherheit. Sein Ziel ist bestimmt und der Fall abzusehen, ein abstraktes, klassisches Drama.
Nun bewegt sich die Münze auf seiner Umlaufbahn gen schwarzes Loch. Zuerst bewegt es sich in einem großen Kreis, sieht vieles, ist langsam und ruhig, doch je mehr es Richtung Mitte zirkelt, desto schneller wird es, die Umgebung wird dafür kleiner, der Weg steiler und die Aussicht auf Freiheit verpufft nahezu. Es ist eben das fatale am Erwachsenwerden. Schlussendlich kreist man doch nur immer umher, auch wenn das Ziel in Sicht ist. Wenn dann genügend Runden gedreht sind, plumpst man glücklich hinein und... das war's. Die Voyeure um dich herum feuern an und kaufen deine Biographie doch du schaust auf dem Rücken liegend nach oben ins Licht und erinnerst dich an die große Reise. Dem Leben.
Bei dem Gedanken entweicht mir nur ein Lächeln und ich nehme das Geldstück von seiner Bahn, stecke es in meine Tasche und fühle mich besser.

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